IndyCar

McLarens Chronologie des Scheiterns

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Fernando Alonso Indy500 2019 - Indianapolis
Foto: IndyCar.com

Man kann ihnen nicht vorwerfen, dass sie nicht alles versucht haben – aber gescheitert sind sie kolossal. Als Kyle Kaiser vom Team Juncos die #66 von Fernando Alonso auf den letzten Drücker aus dem Starterfeld des 2019er Indy 500 Rennens stieß war die Blamage perfekt: Der große Autobauer aus England mit dem zweifachen Formel-1 Weltmeister schafft es nicht in das 33er Starterfeld der berühmtesten Oval-Rennens der Welt.

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Das Drama nahm schon vor einigen Wochen am Texas Motor Speedway seinen Lauf: Nicht der eigens in England aufgebaute McLaren Indycar Renner kam zum Einsatz, sondern ein Fahrzeug des strategischen Partners Carlin. Die Krönung: Es war kein Lenkrad vor Ort. McLaren CEO Zak Brown hatte die ehrenvolle Aufgabe bei Cosworth ein Lenkrad zu besorgen – das hätte schon die erste Warnung für McLaren sein müssen, doch es ging weiter.

Mittwoch vor der Qualifikation für das diesjährige Indy 500 crasht Fernando Alonso den McLaren Flitzer in die Wand – eigentlich kein großes Ding, hatte man doch einen Ersatzwagen von Partner Carlin. Doch Pustekuchen: Der Ersatzwagen stand noch beim Lackierer, weil das gelieferte Modell nicht richtige McLaren „Papaya Orange“ hatte. McLaren und Alonso ging wichtige Fahrzeit durch die Lappen bis der Wagen einsatzbereit an der Strecke war.

Als dann feststand, dass man Sonntag in die Shootout-Qualifikation musste, packte die Engländer wohl die nackte Panik. Das Setup wurde komplett überarbeitet, man munkelt, dass andere Teams Hilfestellung geleistet haben – wollte man McLaren und besonders Alonso doch dabeihaben. In den wenigen Runden, die Alonso vor dem großen Regen dann nochmal testen konnte, setzte der Wagen in den Kurven auf und versprühte ein wahres Funkenmeer. Anpassungen waren jetzt zwar noch möglich, aber ungetestet ging es dann in die Qualifikation.

Der Ausgang ist bekannt: Alonso schlägt sich wacker, wird aber am Ende vom Juncos-Team, das ohne Sponsor und mit wesentlich weniger Geld daherkommt, geschlagen. Wie sich später herausstellte hatte McLaren bei der Übernacht-Aktion einen falschen Gang eingebaut. Für das 229 mph Auto wurde ein 227,5 mph Gang eingebaut.

Personelle Konsequenzen hatte das Desaster schon, der ehemalige Force-India Vize-Teamchef Bob Fernley gehört nicht mehr zur McLaren Familie. Fernley selbst gab zu Protokoll, dass sein Vertrag eh nur bis zum Indy 500 gelaufen wäre.

Wie geht es nun weiter? McLaren hatte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder bekräftigt, dass man die IndyCar Serie sehr interessant fände und überlege, ob man Vollzeit in den USA an den Start gehen will. Auch gab es in Indianapolis Gerüchte im Fahrerlager, dass McLaren mit verschiedenen Teams über einen Kauf gesprochen haben soll.

Angesicht der vollen Sponsorenliste für Indy 500 darf man sich fragen, ob deren Interesse nach diesem Desaster weiterhin vorhanden sein wird oder, ob man McLaren jetzt in den USA fallen lassen wird? Auch stellt sich die Frage nach der Zukunft von McLaren CEO Zak Brown – gab er selbst zu Protokoll, dass er sich zu spät in das Projekt eingemischt hätte.

Fakt ist: Das Indy 500 Projekt 2019 war für McLaren ein Reinfall, Fernando Alonso muss ein Jahr in der Warteschleife verbringen, um seinen nächsten Angriff auf die Triple-Crown starten zu können und die Motorsport-Welt hat eine Sensation mehr.

Sören Pröpper
Motorsport und Formel-1 Fan seit den frühen 90er Jahren, hat Nigel Mansell noch im Williams gesehen und freut sich über fetten V8 Sound.

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