Formel-1

Mercedes dominiert auch in Aserbaidschan

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Es hätte – wieder – das Wochenende von Ferrari werden können: In den freien Trainings fuhren die roten Renner allen davon, hatten teilweise über 1 Sekunde Vorsprung vor Mercedes und Red Bull – doch es sollte anders kommen. Ein Fehler im Qualifying könnte ursächlich für ein erneut enttäuschendes Wochenende gewesen sein.

Qualifying

Es war ein ereignisreiches und insgesamt zweistündiges Qualifying in Baku. Erwartungsgemäß fand man die beiden Williams Mercedes am Ende von Q1 wieder auf den Plätzen 17 und 18. George Russell merkte man an, dass ihm die Erfahrung auf der Strecke fehlte – hatte er doch FP1 und FP2 aufgrund eines angesaugten Gullideckels verpasst. Eine Geschichte, die noch nicht ausgestanden sein dürfte, fordert Williams doch Schadenersatz von den Grand Prix Veranstaltern.

Für den ersten Abbruch sorgte dann jedoch am Ende von Q1 ausgerechnet der erfahrenere Robert Kubica – an der berühmt-berüchtigten Schloss-Kurve setze er seinen Williams mit rund 21 g-Kräften in die Bande. Man darf offen die Frage stellen, ob dies nötig war. Williams dürfte auf absehbare Zeit nicht von den Plätzen 17 und 18 wegkommen – außer vielleicht in Monaco – muss der erfahrene Pole dann im letzten Umlauf so ein Risiko eingehen, nur um seinen Teamkollegen schlagen zu können? Claire Williams sah auf den TV-Bildern alles andere als begeistert aus, dass die Mechaniker zum zweiten Mal an einem Wochenende teure Reparatur-Arbeiten vornehmen mussten.

Überraschenderweise war nach Q1 auch schon für Nico Hülkenberg im Renault Feierabend – der Deutsche sagte später, dass er am Wochenende nie mit dem Auto zurechtkam – was er am Sonntag überrundet auf Platz 14 wenig eindrucksvoll bestätigte. Lance Stroll setzt seine Serie fort und schied ebenfalls im ersten Abschnitt aus, noch vor Romain Grosjean, der seinen HAAS überraschend auch nicht in Q2 bekam. Teamkollege Kevin Magnussen machte es zwar besser, schied aber in Q2 auf dem quasi letzten Platz aus.

HAAS-Teamchef Steiner hatte schon vor dem Baku-Wochenende davon gesprochen, dass man zwar inzwischen wisse, warum der eigentlich gute Wagen nicht funktioniert – aber etwas Zeit braucht, um neue Teile zu produzieren und in Baku nur Schadensbegrenzung betreiben würde.

In Q2 war dann auch für Daniel Ricciardo im zweiten Renault Feierabend – gemeinsam mit Alex Albon, der zuvor in den freien Trainings einen guten Eindruck machte. Für die zweite Unterbrechung des Qualifyings sorgte dann ausgerechnet der gut aufgelegte Chalres Leclerc. In derselben Kurve wie zuvor Robert Kubica setzte der Monegasse seinen SF90 in die Wand – auf gelben Reifen, ein nicht zu vernachlässigendes Detail! Zu diesem Zeitpunkt waren Leclerc und Vettel auf gelben Reifen draußen – die Theorie: Beide Fahrer sollten sich gegenseitig Windschatten geben, um so auf gelben Reifen in Q1 einzuziehen. Für Ferrari ging die Strategie gründlich schief – zwar hatte Leclerc zuvor schon eine gute Runde hingelegt und sicherte sich damit den zehnten Startplatz, aber Vettel war von nun an auf sich allein gestellt.

Mit Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen hatten es neben den beiden Mercedes-Fahrern Valtteri Bottas und Lewis Hamilton nur zwei Teams geschafft, beide Fahrer in Q3 zu bringen. Leclerc war zwar schnell genug, konnte aber aufgrund seines Unfalls nicht an Q3 teilnehmen.

Q3 ist dann eigentlich schnell erzählt: Verstappen setzt die erste Bestzeit, die dann aber von Bottas und anschließend Hamilton geschlagen wird. Zwischenzeitlich setzte sich Vettel zwischen die beiden Mercedes, musste aber am Ende – von Mercedes ausgetrickst – den dritten Platz einnehmen. Beide Mercedes waren als scheinbar erste auf die Strecke gegangen, legten dann aber einen Probestart hin und zwangen Vettel damit allein in den abendlichen Gegenwind. Im letzten Umlauf sicherte sich dann Bottas die Pole vor Markenkollege Lewis Hamilton.

Einmal mehr präsentierte sich Perez im Racing Point BWT Boliden stark in Baku: Platz 5 als erster Nicht-TOP3-Fahrer zeigte, dass mit dem Mexikaner in Baku stets zu rechnen ist. Hinter ihm kam der russische Torpedo Daniil Kvyat, Lando Norris, Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen auf die Plätze 6-9.

Rennen

Bedingt durch Strafen und Unfälle ergibt sich zum Start des Rennens nochmal ein anderes Bild als zuvor im Qualifying. So starteten Kubica, Räikkönen und Gasley aus der Boxengasse. Während Kubica und Räikkönen schon recht früh rausfuhren, blieb Gasley bis kurz vor Ende der Einführungsrunde in seiner Garage stehen. Hätte Kubica das doch auch mal gemacht, der Pole fuhr zu früh ans Ende der Boxengasse und erhielt dafür im Rennen noch eine Durchfahrtsstrafe.

Schon beim Start zeigte sich, dass Bottas dieses Jahr ein anderes Kaliber für Hamilton sein dürfte als letztes Jahr: Der Finne kontert den guten Start von Hamilton durch die ersten zwei Kurven, in denen die beiden Mercedes parallel unterwegs sind und setzt sich am Ende vor dem Briten vor das Feld. Dahinter schafft es Perez zunächst den vierten Platz von Verstappen zu erobern. Zudem wird Leclerc am Start vom Renault von Ricciardo eingeholt – ein großer Faktor hierfür dürften die gelben Medium-Reifen des Monegassen gewesen sein, mit denen er sich gegen weiche, rote Reifen verteidigen musste.

Auffällig: Im gesamten Feld ging es sehr gesittet zu, keine Crashs, keine Verbremser in der ersten Runde – als hätten die Formel-1 Piloten sich die Rahmenrennen genauer angesehen, in denen es durchaus das eine oder andere Mal gescheppert hatte. Stark sind von Beginn an die beiden McLaren unterwegs, die sich auf Platz 6 und 8 einfinden.

In den nächsten Runden pflügten dann Leclerc und besonders Gasley durchs Feld: Der Ferrari-Pilot Leclerc schaffte es im Anschluss seine gelben Reifen auf Temperatur zu bringen und fuhr phasenweise wesentlich schneller als die TOP4 (Bottas, Hamilton, Vettel, Verstappen) auf den weicheren Reifen, was die Spitze zu den ersten Stopps veranlasste und dem Monegassen die Rennführung brachte. Da Leclerc noch auf die weichen Reifen wechseln musste und Ferrari diesen Moment möglichst lang hinauszögern wollte, ging der Vorsprung im Anschluss mit abbauenden Reifen gegenüber den frischen gelben Reifen von Mercedes immer weiter zurück.

Ein Problem mit dem Antriebsstrang (Honda brachte ein Update nach Baku) sorgte dann für einen von vier Ausfällen: Pierre Gasley stellte seinen Red Bull in einer Auslaufzone ab und sorgte damit für ein virtuelles Safeteycar, das aber keinem Fahrer so richtig weiterhalf. Vettel traute sich nicht nochmal neue Reifen zu holen und die Position Drei an Verstappen zu verlieren, da zu wenige Runden zu fahren waren, um den Rückstand trotz frischer roter Reifen aufzuholen.

Der Grand Prix lebte bereits zu diesem Zeitpunkt von der Spannung, ob noch etwas passieren wird – doch es passierte nicht mehr viel. Haas und Toro Rosso hingen überraschenderweise im hinteren Mittelfeld fest, Racing Point und McLaren sammelten mit beiden Wagen Punkte und Räikkönen schaffte es im Alfa Romeo im vierten Rennen zum vierten Mal Punkte zu sammeln.

Besonders enttäuschend dürfte das Renault-Werksteam gewesen sein. Ricciardo versuchte Kvyat zu überholen, verbremste sich – schickte damit sich und den Russen in den Notausgang und rammte den Toro Rosso beim Zurücksetzen, zerstörte damit seinen Wagen und den Toro Rosso, für beide war das Rennen beendet. Der Australier erhielt für das unnötige Manöver für das nächste Rennen eine Strafe für die Startaufstellung: Er wird um drei Plätze nach hinten versetzt.

Am Ende des Rennens holte sich Leclerc dann nochmal frische Reifen und setzte damit die schnellste Zeit des Rennens – Bonuspunkt für den SF90 während sich Bottas und Hamilton um den Sieg duellierten, ein Duell von dem im Anschluss ans Rennen beide Piloten sagten, dass sie eigentlich noch Reserven hatten – während Mercedes-Chef Toto Wolff den Medien noch immer verkaufen wollte, dass man damit nicht gerechnet habe – nach vier Doppelsiegen in vier Rennen nimmt man das den Jungs mit dem Stern nicht mehr wirklich ab.

Nach dem Rekord-Doppelsieg (bisher standen drei Doppelsiege in den ersten drei Rennen von Williams mit Mansell und Patrese in den Geschichtsbüchern) dürfte Mercedes auch beim nächsten Rennen in Barcelona endgültig Favorit sein und jedem Zuschauer dürfte bei einem schwachen Auftritt im freien Training klar werden, dass die Silbernen ab dem Qualifiying wieder voll da sein werden.

Festzuhalten bleibt aber auch: Leclerc kommt mit dem Ferrari besser zurecht als Vettel und hätte in Baku eine ganz andere Rolle spielen können, wenn er nicht in der Qualifikation gecrasht hätte – die Punkte hat zwar (noch) der Deutsche aber mit dem Monegassen hat er einen Konkurrenten im eigenen Rennstall.

Sören Pröpper
Motorsport und Formel-1 Fan seit den frühen 90er Jahren, hat Nigel Mansell noch im Williams gesehen und freut sich über fetten V8 Sound.

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