Formel-1

Mick Schumacher überzeugt bei Formel-1 Test in Bahrain

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Foto: imago/Laci Perenyi
Foto: imago/Laci Perenyi

Es war ein außergewöhnlicher Tag in der Wüste: Der Himmel öffnete seine Schleusen, fast als würde er vor Rührung weinen. Mick Schumacher, Sohn von Formel-1 Legend Michael Schumacher, fuhr am Dienstag erstmals einen aktuellen Ferrari F1-Wagen.

Das Medien-Interesse war riesig als der rote Renner aus Maranello erstmals seit 2008 wieder von einem Schumacher pilotiert wurde. Damals fuhr der berühmte Vater von Mick bei den Testfahrten im April 2008 in Barcelona den F2008 – entworfen von Nikolas Tombazis – obwohl er schon Ende 2006 als aktiver Fahrer zurückgetreten war und nur noch als Berater – und gelegentlicher Testfahrer – für Ferrari tätig war.

Die Rennfahrer-Karriere des Mick Schumacher erreicht nun, 11 Jahre nach seinem ersten Kart-Rennen, einen ersten Höhepunkt im Ferrari SF90, in Bahrain, mit der Startnummer #29. Anders als sein Vater, der mit einem Sportwagen- und DTM-Abstecher über die japanische Formel 3000 in die Formel-1 kam, hatte Mick Schumacher nie Sorgen ausreichend finanzielle Förderer zu finden, anders als sein Vater sitzt er schon mit 20 Jahren erstmals in einem aktuellen Formel-1 Wagen. Michael Schumacher war bei seinem ersten F1-Einsatz schon zwei Jahre älter.

Über die Formel-4 und Formel-3 erarbeitete sich Mick Schumacher einen Platz in der Ferrari Driver Academy – natürlich hat sein berühmter Name geholfen aber ganz besonders hat seine Leistung die Ferrari-Verantwortlichen überzeugt: 2018 gewann er in seinem zweiten Jahr in der Formel-3 seinen ersten Formel-Titel und wurde von Prema, seinem langjährigen Team, für die 2019er Saison in die Formel-2 befördert.

Mick Schumacher – der früher als „Mick Betsch“ an den Start ging, Betsch ist der Mädchenname seiner Mutter – überzeugte auch bei seinem ersten F1-Test auf Anhieb, er erreicht hinter Max Verstappen die zweitbeste Zeit – allerdings auf der weichsten Pirelli-Mischung, natürlich hat Ferrari auch hier öffentlichkeitswirksam operiert und das Maximum aus dem Auftritt des M. Schumacher rausgeholt. Mick selbst sprach an den zwei Testtagen in Bahrain immer wieder davon, dass er viele Dinge gelernt hat und bereits an den zwei Tagen vieles von dem neu gelernten einsetzen konnte. Ein Blick auf den Zeitenmonitor bestätigt: Der Junge wurde immer schneller, fand immer mehr Vertrauen in das Auto und verlagerte die Bremspunkte immer wieder in die Kurven.

Mario Isola, Sportchef des Reifenherstellers Pirelli zeigte sich nach den Tests beeindruckt: „Wir gratulieren Mick Schumacher herzlich zu seinem Formel-1-Debüt. Wie alle anderen sind wir beeindruckt von dem, was er bei seinem ersten Auftritt in der Formel 1 geleistet hat.“

Schaut man sich das restliche Starterfeld der Fahrer ohne Formel-1 Erfahrung an, so stellt man fest, dass Mick Schumacher von alle F1-Anfängern der Schnellste war, natürlich hatte er mit dem Ferrari auch das aktuell schnellste Auto – dennoch muss man an seinem ersten Tag im Formel-1 Auto solch eine Leistung erstmal zusammenbringen.

Die größte Bremse an seinem ersten Testtag dürfte das Wetter gewesen sein: Wie eingangs erwähnt regnete es in der Wüste am ersten Testtag nahezu den gesamten Nachmittag, was den Umfang der Tests stark reduzierte. So sah es auch der viermalige F1-Weltmeister Sebastian Vettel: „Er hatte Pech mit dem Wetter, aber er hat sich gut angestellt. Ich glaube, er hatte richtig Spaß, man konnte das Grinsen sehen. Das ist das Wichtigste.“

Mick Schumacher im Alfa Romeo | Foto: Alfa Romeo / Antonin Vincent

Mick Schumacher im Alfa Romeo | Foto: Alfa Romeo / Antonin Vincent

Am Mittwoch ging das Abenteuer Formel-1 für Mick Schumacher dann mit Startnummer #36 in die zweite Runde – diesmal im aktuellen Alfa Romeo. Und auch am zweiten Tag wusste Mick zu überzeugen – erneut auf den weichsten Pirelli-Reifen schaffte er mit dem Alfa fast dieselbe Zeit wie tags zuvor im Ferrari.

Schumacher selbst gab nach den Tests zu Protokoll, dass er es nicht eilig habe mit einem Vollzeit Formel-1 Engagement. Er möchte als möglichst kompletter Fahrer in die Formel-1 kommen, ob dies schon im nächsten Jahr oder erst später der Fall sein wird werde die Zeit zeigen.

Jetzt gilt es sich wieder auf die Formel-2 zu konzentrieren und auf das nächste Rennen am 26. – 27. April in Baku vorzubereiten: „Ich will einfach jedes einzelne Detail von diesen zwei Tagen mitnehmen, um in der Lage zu sein, es in die Formel 2 mitzunehmen. Ich versuche anzuwenden, was ich hier gelernt habe“, so Schumacher nach den Tests.

Angesprochen auf den besten Moment der zwei Testtage antwortet Mick: „Der schönste Moment? An beiden Tagen aus der Box rausfahren. Und die schnellen Runden fahren!“ Dabei grinst er über beide Backen und man erkennt am Leuchten seiner Augen, dass wir den Namen Schumacher wohl schon bald und länger in der Formel-1 sehen werden – dann auch ohne Tränen der Rührung vom Himmel.

Sören Pröpper
Motorsport und Formel-1 Fan seit den frühen 90er Jahren, hat Nigel Mansell noch im Williams gesehen und freut sich über fetten V8 Sound.

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