Formel-1

Mercedes erbt in Bahrain Doppelsieg von Ferrari

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Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Bahrain 2019. Lewis Hamilton
Mercedes-AMG Petronas Motorsport, Großer Preis von Bahrain 2019. Lewis Hamilton

Es wäre das erste Formel-1 Märchen des Jahres geworden: Charles Leclerc holt sich in seinem zweiten Rennen für Ferrari nicht nur die Pole, sondern fährt überlegen zum Sieg – doch es kam anders und am Ende standen die beiden Mercedes Silberpfeile ganz oben auf dem Podium.

Qualifying

Nach dem Australien-Desaster zeigte sich Ferrari wieder von seiner Testfahrten-Seite aus Barcelona: Stabil in den Kurven, schnell auf den Geraden – die Italiener waren komplett überlegen und sicherte sich Platz 1 und 2 in der Startaufstellung. Wer jetzt jedoch den Namen Vettel vor Leclerc erwartet hatte, wurde überrascht: Der junge Monegasse sicherte sich vor dem erfahrenen vierfachen Weltmeister Platz Eins. Vettel konnte im letzten Quali-Abschnitt nur noch einen frischen Reifensatz einsetzen, weil er in Q2 eine Extrarunde drehen musste – Leclerc hingegen hatte zwei Versuche und sicherte sich mit einem Streckenrekord von 1:27.866 seine erste Poleposition.

Überraschend früh musste sich Nico Hülkenberg bereits in Q1 geschlagen geben und aufgrund von technischen Problemen seinen Werks-Renault auf dem 17. Startplatz abstellen. Besser, aber dennoch außerhalb der Top 10, landete Daniel Ricciardo im zweiten Renault den 11. Startplatz. Pierre Gasly im Red Bull konnte sich überraschenderweise ebenfalls nicht für Q3 qualifizieren und holte nur Platz 13. Der junge Franzose gab anschließend selbst zu Protokoll, dass er sich in seinem neuen Dienstwagen noch nicht wohlfühlt.

Einmal mehr stark präsentierten sich die beiden McLaren Fahrer (Sainz 7, Norris 10) sowie die beiden Haas Ferrari (Magnussen 6, Grosjean 8), von denen sich Romain Grosjean jedoch im Anschluss auf Platz 11 der Startaufstellung einsortieren musste – die Rennkommissare bestraften den Franzosen damit für eine (unfreiwillige) Blockade des McLaren von Lando Norris. Die beteiligten Fahrer (und Haas Teamboss Steiner) waren sich jedoch sehr sicher, dass eigentlich Sebastian Vettel die Stau-Ziehharmonika verursacht hat, als er sich verbremste und dann langsam um den Kurs schlich. Man darf gespannt sein, mit welchen Worten Steiner die Entscheidung der Kommissare im Beisein der Netflix-Kameras kommentiert hat.

Rennen

Wind – eines der wichtigsten Worte am Sonntagnachmittag in Bahrain: Starke Böen wehten immer wieder über die Strecke, teilweise mit bis zu 60km/h. Mit einem brutal starken Start holte sich Sebastian Vettel Platz 1 von Charles Leclerc, der sich sogar noch von Valtteri Bottas überholen lassen musste und im Anschluss wieder am Silberpfeil vorbeikämpfte.

Im Anschluss überholt Leclerc im internen Ferrari-Duell Sebastian Vettel und setzt sich anschließend schnell vom Vierfach-Weltmeister ab. Im anschließenden Boxenstopp-Duell zwischen Hamilton und Vettel sicherte sich der Brite durch einen Undercut den Platz vor Vettel bevor sich die beiden Kontrahenten auf der Strecke extrem nah kamen und Vettel durch einen Dreher den Anschluss verlor.

Schlimmer als der Dreher: Vettel hat sich mit blockierenden Reifen so starke Vibrationen eingefahren, dass sein Frontfügel hollywoodreif abfiel, kurz unter der Auto geriet und unter Funkenflug in Richtung Streckenrand flog – das Rennen des Deutschen war gelaufen: Erneuter Boxenstopp und Platz 5 waren im Anschluss das Beste, was der Ferrari-Pilot rausfahren konnte.

Anders Leclerc: Sicher in Führung liegend verwaltete der Monegasse seinen Vorsprung vor den beiden Mercedes und Verstappen, der ein relativ unauffälliges Rennen hinter sich brachte – sieht man mal von einem kleinen Zwischenfall mit Sainz im McLaren ab, für den der Niederländer jedoch nicht bestraft wurde.

In Runde 46 drehte sich das Geschehen jedoch in Richtung Mercedes: Leclerc funkt an die Box, dass etwas mit dem Motor nicht stimmt – und der Monegasse sollte Recht behalten. Sein Vorsprung vor Hamilton schmilzt und schmilzt bevor der Brite ihn überholt und sich damit den Sieg in Bahrain sichert. Bottas im zweiten Mercedes schnappt sich den jungen Polesetter wenig später und holt damit Platz 2 und behält die Führung in der WM aufgrund seiner schnellsten Runde und dem passenden Bonuspunkt aus Australien.

Kurz bevor Leclerc vom Red Bull Honda geschnappt werden kann, rettet das Safetycar den jungen Ferrari-Piloten. Kurioser Grund: Beide Renault fallen gleichzeitig aus und das an so ungünstigen Stellen, dass der Rennleitung keine Wahl bleibt und das Rennen hinter dem Safetycar beendet werden muss. Red Bull Teamchef Christian Horner äußert sich später sinngemäß: „Jetzt haben wir den Renault-Motor schon nicht im Auto und trotzdem verderben sie uns das Rennen.“ Teamchef Cyril Abiteboul dürfte über die Aussagen seines ehemaligen Kunden nicht besonders erfreut sein aber aktuell wohl auch andere Probleme als den Spott des restlichen Feldes haben.

Beeindruckend ist die Reaktion von Chalres Leclerc nach dem Rennen: Wir müssen das Positive mitnehmen und das ist unsere Pace – der junge Mann ist 21 und mit kühlem Kopf in der Wüste Bahrains unterwegs – Fans dürften hier einen zukünftigen Weltmeister (im Ferrari) gesehen haben.

Was bleibt vom Wochenende? Ferrari ist definitiv in Reichweite und auf schnellen Strecken sogar vor Mercedes, ein beeindruckendes Wochenende wurde durch einen Fahrfehler und technische Probleme verdorben. Lewis Hamilton zeigte sich als fairer Sportsmann, gratulierte Charles Leclerc zum starken Rennen und attestierte dem Monegassen, dass er den Sieg über das gesamte Wochenende verdient gehabt hätte.

Und Vettel? Der wird in den italienischen Medien bereits zerrissen, angesichts der starken Leistung des jungen Leclerc verständlich, doch wir alle kennen die leidenschaftlichen Italiener – beim nächsten Sieg des Deutschen hört sich das schon wieder ganz anders aus – wenn Vettel denn jetzt die Kurve kriegt und endlich wieder mentale Stärke zeigt, um nicht wie im letzten Jahr durch unnötige Manöver auf sich aufmerksam zu machen.

Resultat Formel-1 Rennen Bahrain 2019

Sören Pröpper
Motorsport und Formel-1 Fan seit den frühen 90er Jahren, hat Nigel Mansell noch im Williams gesehen und freut sich über fetten V8 Sound.

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